Digitales Charisma - Wie Sichtbarkeit in der digitalen Welt funktioniert

18.01.2026

Wer beruflich ambitioniert ist, kommt heutzutage nicht umhin, sich online zu präsentieren.
Doch selbst den charismatischsten Menschen fällt es oft schwer, ihr (Selbst-)Bild aus der realen
Welt in die digitale Welt zu übertragen. Andrea Grundmann ist Expertin für Digitales Charisma und verrät in ihrem gleichnamigen Buch, wie wir es schaffen, dass andere online tatsächlich
das Bild von uns bekommen, das wir zeigen wollen.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie Ihre Online-Präsenz auf andere wirkt? Denn selbst diejenigen unter uns, die bewusst kein eigenes Social-Media-Profil pflegen, haben heutzutage einen deutlich sichtbaren digitalen Fußabdruck. »Digital völlig unsichtbar zu bleiben, ist kaum noch möglich und aus meiner Sicht auch nicht empfehlenswert«, findet Andrea Grundmann. »Denn diese vermeintliche Unsichtbarkeit führt bei einem interessierten Gegenüber meist zu Irritationen.«

Dabei haben wir heute gute Möglichkeiten Einfluss darauf zu nehmen, wie unsere digitale Präsenz aussehen soll. Jeder kann im Internet gezielt seine Wirkung und Sichtbarkeit als Personenmarke aufbauen und gestalten. »Spätestens seit dem Boom der Business-Plattform LinkedIn ist Personal Branding in aller Munde«, weiß Andrea Grundmann.

Wer sich online als Expertin oder Experte präsentieren will, beispielsweise um Mandantinnen und Mandanten zu akquirieren oder den nächsten Karrieresprung vorzubereiten, sollte sich erst einmal darüber klar werden, was die eigene Persönlichkeit ausmacht – und wie man sie digital transportieren kann. Denn Menschen erinnern sich nicht allein an Expertise. Was hängen bleibt, sind vor allem Geschichten und die Persönlichkeit. Die Kunst des Personal Brandings besteht also darin, ein Gesamtbild der Persönlichkeit bewusst und authentisch aufzubauen. »Eine gute Basis dabei sind sogenannte Persönlichkeitsmodelle«, rät die Expertin. »Ich empfehle gerne den »16 Personalities Test«, verrät Grundmann, »den kann man kostenlos online machen.«

Neben der Persönlichkeit ist die Positionierung ein entscheidender Faktor der digitalen Präsenz einer Person. Ziel ist es, einen festen Platz in den Gedanken der Zielgruppe einzunehmen. Für eine klare Positionierung müssen drei zentrale Fragen beantwortet werden:

  • Wer bist du? Werte, Überzeugungen und persönlicher Stil sind das Fundament der Positionierung. Menschen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Authentizität spielt eine entscheidende Rolle. Wer seine Einzigartigkeit nicht zeigt, ist austauschbar.
  • Wofür stehst du? Hier geht es um Wissen, Haltungen, Vision. Positionierung ist keine neutrale Beschreibung eines Lebenslaufs, sondern eine Entscheidung, für etwas Bestimmtes einzustehen. Das kann ein Thema, eine Zielgruppe oder eine Lebensart bzw. Arbeitsweise sein.
  • Was ist dein Wertversprechen? Sprich: der Nutzen für andere. Positionierung ist nie ein selbstzentrierter Monolog, sondern ein Dialog mit dem Umfeld. Andere Menschen sollen verstehen, welchen Mehrwert man ihnen bietet.

Eines der wichtigsten Werkzeuge für digitales Personal Branding ist LinkedIn. »Für alle, die online Leadgenerierung, Recruiting und Markenaufbau betreiben, ist dieses Netzwerk nicht mehr wegzudenken. Besonders Entscheidungsträger, Führungskräfte und High Potentials verbringen hier viel Zeit, um sich zu informieren, auszutauschen und sich mit Kollegen, Unternehmen oder Marken zu vernetzen«, resümiert Andrea Grundmann.

Die Plattform ist permanent im Wandel, ständig kommen neue Funktionen hinzu oder werden ersetzt. Doch viel wichtiger als jede einzelne Funktion zu verstehen ist es, ein Grundverständnis für LinkedIn zu erlangen. Im Mittelpunkt steht der Newsfeed. Er ist das, was ich von den anderen sehe, und genauso das, was die anderen von mir zu sehen bekommen. Man bekommt jedoch nie alle Beiträge der eigenen Kontakte zu sehen. LinkedIn filtert vor und spielt nur aus, wovon es glaubt, dass es für den jeweiligen Nutzer von Interesse wäre. Der Algorithmus ist darauf aus, Inhalte auszuspielen, die User dazu bringen, möglichst viel Zeit auf LinkedIn zu verbringen. Dabei ist es ihm egal, ob man verweilt, weil ein Beitrag gefällt oder weil er empört.

Die Herausforderung besteht also darin, im Newsfeed der eigenen Zielgruppe sichtbar zu werden. »Der stärkste Hebel hierfür ist das fachliche und inhaltlich gehaltvolle Kommentieren, oder auch kluge Fragen zu stellen«, rät Andrea Grundmann. »So kann ich Haltung zeigen, meinen persönlichen Stil und fachliche Expertise präsentieren.«

Ein ausgefeiltes Profil, strategische Kontaktpflege und ein Verständnis für zielgerichteten, guten Content sind ausschlaggebend für den Erfolg auf LinkedIn und Themen, die Andrea Grundmann tiefgehend in ihrem Buch und mit ihren Klienten abhandelt. Sie hat aber noch ein paar kurze Tipps für jeden LinkedIn User parat:

  • Posten Sie, wenn Ihre Zielgruppe online ist: Das Engagement der ersten zwei Stunden entscheidet über die weitere Ausspielung.
  • Reagieren Sie zeitnah auf Kommentare unter Beiträgen: Wer es schafft, Diskussionen anzuregen, wird mit Reichweite belohnt.
  • Externe Links nur in Ausnahmen verwenden: LinkedIn mag es nicht, wenn Nutzer die Plattform verlassen, und »bestraft« externe Links. Verweise auf andere Seiten sind daher am besten in einem Kommentar aufgehoben.
  • Tagge nur Personen, die wahrscheinlich liken oder kommentieren werden. Getaggte Personen, die nicht reagieren, wertet der Algorithmus als Spam-Versuch ab.
  • Im Gegensatz zu anderen Social-Media-Netzwerken belohnt LinkedIn es NICHT, wenn man einen Beitrag teilt und selbst einen Text hinzufügt. Möchte man die eigenen Follower auf einen Beitrag aufmerksam machen, kommentiert man am besten unter dem Original.

Abschließend fasst Andrea Grundmann zusammen: »LinkedIn ist ein Soziales Netzwerk, deshalb erzielt den größten Erfolg, wer genauso viel gibt, wie er nimmt. Die Plattform lebt vom gegenseitigen Austausch, nicht vom reinen Senden. Und auch nicht vom bloßen »Dasein«. Der soziale Aspekt, die Diskussionskultur und das gemeinsame Lernen – all das findet nur statt, wenn man zuhört, antwortet oder nachfragt.«

 

Grundmann
Digitales Charisma
2026. 342 Seiten.
Softcover € 26,90
ISBN 978-3-8006-7574-6

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Kundenmagazin beck-aktuell. Sie können das Magazin hier kostenlos abonnieren.

 

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