Mit niedrigem Zins zur Traumimmobilie?

14.04.2016

München, 14. April 2016 - Ehepaar Schmidt jubelt: Endlich die Traumwohnung! Sie kommen gerade von der Besichtigung zurück. Zwar ist die Immobilie sehr viel teurer als geplant – aber was soll’s: Die Zinsen sind günstig wie nie, und wenn sie alles zusammenkratzen, haben sie auch das nötige Eigenkapital für das Darlehen beisammen. Ohnehin gibt es ja kaum Zinsen für das Festgeldkonto oder auf dem Sparbuch. Und wenn man am Anfang wenig tilgt, ist das Darlehen richtig billig. Also schnell den Makler anrufen, bevor ein anderer die Wohnung wegschnappt! Die Schmidts haben gerade mehrere Denkfehler auf einmal gemacht. Da wäre zum einen der Kaufpreis für die Wohnung. In einigen Städten werden Immobilien inzwischen zu völlig überzogenen Preisen angeboten. In normalen Zeiten wird für eine Wohnung wie die von den Schmidts ein Kaufpreis bis zum 25fachen einer möglichen Jahresmiete fällig – alles darüber ist sehr teuer. Derzeit müssen Interessenten teilweise das 40fache zahlen.

Zwar werden die aktuell hohen Quadratmeterpreise durch niedrige Zinsen kompensiert. Doch wer in einigen Jahren verkaufen muss, stellt möglicherweise fest, dass er für seine Immobilie deutlich weniger bekommt als er heute gezahlt hat, zumal Nebenkosten wie Maklercourtage und Grunderwerbsteuer auch erst einmal gedeckt sein müssen. Wer lieber vermieten möchte, findet unter Umständen keinen Interessenten, der eine solch hohe Miete zahlt, die wenigstens den größten Teil der Kreditkosten deckt.

So gesehen rechnen sich die überhöhten Immobilienpreise nur, wenn man in der Immobilie für den Rest seines Lebens wohnen bleibt. Doch wer kann das garantieren? Familienzuwachs, beruflich bedingter Umzug, Scheidung, Krankheit, Tod des Partners – es gibt so viele Dinge im Leben, die sich nicht vorausschauen lassen.

Die Schmidts machen einen weiteren Fehler, nämlich beim Darlehen. So verlockend günstig Kredite derzeit sind, bergen sie jedoch ein erhöhtes Risiko, wenn sich im Laufe der Finanzierung – und die kann unter Umständen 30 Jahre und mehr dauern – die Zinsen ändern. Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, die Erklärung ist aber relativ einfach: Nutzen die Schmidts ihren finanziellen Spielraum voll aus, ist der Darlehensbetrag bei niedrigen Zinsen natürlich größer als bei hohen Zinsen. Und je größer der Darlehensbetrag, umso höher die Restschuld, wenn das Darlehen ausläuft. Denn in der Regel wird eine Immobilie nicht mit einem einzigen Darlehen finanziert, sondern mit mehreren nacheinander. Sind also die Zinsen inzwischen gestiegen, trifft es die Schmidts finanziell umso härter, je höher die Restschuld ist.

Was müssen die Schmidts also machen? Ihren finanziellen Spielraum nicht für einen höheren Darlehensbetrag nutzen, sondern für die schnelle Tilgung eines Darlehens. Sie sollten lieber ein kleineres Darlehen aufnehmen und dafür einen höheren Tilgungsbeitrag leisten. Mal abgesehen davon, dass sie ohnehin nicht ihr gesamtes Geld in ein Darlehen buttern sollten. Denn nur so haben sie eine Reserve für Reparaturen oder für andere unangenehme Überraschungen.

Die Schmidts haben dann doch noch mal in Ruhe nachgerechnet – und den Makler nicht angerufen.

Mehr Tipps zu solchen und anderen Problemen rund um das Thema Finanzierung beim Kauf und Bau einer Immobilie finden Sie in dem neuen Ratgeber „Immobilienfinanzierung“ von Michael Hölting, erschienen im Verlag C.H.Beck.

 

Beck professionell

Michael Hölting, Immobilienfinanzierung. Die beste Strategie fürs Kaufen und Bauen, Verlag C.H.BECK, 2016, 281 Seiten, kartoniert € 19,80, ISBN 978-3-406-68791-4

Auch als eBook erhältlich

Zum Abdruck frei. Belegexemplare erwünscht.
Gerne vermitteln wir für Interviews den Kontakt zum Autor.

Für Verlosungsaktionen stellen wir Exemplare des Ratgebers zur Verfügung.

Pressekontakt

Kathrin Moosmang

Tel:+49 89 381 89 666

Kathrin.Moosmang@beck.de

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